„Ein Pfarrer mitten unter Ihnen“
Pater Paul Krutschek übernimmt die Leitung des Pfarrverbands St. Anna im Moosrain – seine erste Amtshandlung war eine Tiersegnung
Seit dem 1. September ist Pater Paul Krutschek der neue Leiter des Pfarrverbands St. Anna im Moosrain. Am Sonntagabend wurde er in einem festlichen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Emmeram in Moosinning offiziell in sein neues Amt eingeführt.
Dekan Martin Ringhof nahm die Amtseinführung vor und übergab Pater Paul symbolisch den Schlüssel. Zuvor wurde die Urkunde von Kardinal Reinhard Marx über die Ernennung zum Pfarradministrator und Pfarrkurator verlesen.
Viele Gläubige, Ministrantinnen und Ministranten, Seelsorger sowie Fahnenabordnungen von Vereinen aus den fünf Pfarreien des Pfarrverbands waren gekommen, um den neuen Pfarrverbandsleiter willkommen zu heißen. Auch einige Weggefährten aus Pater Pauls bisherigem Pfarrverband Taufkirchen (Vils) waren dabei.
Die Atmosphäre in St. Emmeram war dabei alles andere als steif: Es wurde gesungen, gelacht und geklatscht. Ein Zeichen dafür, dass dieser Einstand nicht nur ein formaler Amtswechsel sein sollte, sondern vor allem eine Begegnung.
„Ich möchte ein Pfarrer mitten unter Ihnen sein“
In seiner Antrittsrede machte Pater Paul deutlich, wie er seine neue Aufgabe versteht. Er möchte nicht über den Menschen stehen, sondern mitten unter ihnen sein.
„Lasst uns gemeinsam in die Zukunft schauen“, sagte er. Er wolle ein Pfarrer sein, „der zuhört, diskutiert und vielleicht auch mal eine andere Meinung hat“. Vor allem aber möchte er die Menschen und ihre Traditionen kennenlernen.
Seine Aufforderung an die Pfarrangehörigen fasste er in einen einfachen, aber wichtigen Satz:
„Reden wir miteinander und nicht übereinander. Lasst uns gemeinsam Kirche werden.“
Damit knüpft Pater Paul zugleich an seine zwölfjährige Tätigkeit in Taufkirchen an. Dort war er für seine persönliche Nähe zu den Menschen und seine Bereitschaft bekannt geworden, auch ungewöhnliche Wege zu gehen.
Dekan Martin Ringhof bezeichnete die Antrittsrede denn auch als „megastark“.
Eine besondere Verbindung zur heiligen Anna
Auch zur Namenspatronin des Pfarrverbands hat Pater Paul bereits eine ganz persönliche Beziehung.
Die heilige Anna, Mutter der Gottesmutter Maria und damit Großmutter Jesu, habe einen besonderen Platz in seinem Herzen. Der Grund dafür ist ganz persönlich: Auch seine eigene Mutter trägt den Namen Anna.
So richtete er an die Patronin des Pfarrverbands die Bitte:
„Heilige Anna, begleite uns auf unserem Weg und bitte für uns.“
Ein schöner Gedanke für einen Pfarrverbandsleiter, der selbst immer wieder vom gemeinsamen Weg spricht.
Musik verbindet
Für die musikalische Gestaltung des Einführungsgottesdienstes sorgten der Kirchenchor und das Bläserensemble „Wir Musikanten“ aus Neuching.
Die musikalischen Beiträge wurden ebenso mit viel Applaus bedacht wie Pater Paul selbst. Nach dem Gottesdienst gab es in der Aula der Grundschule einen Stehempfang. Dort bot sich für viele Besucher die Gelegenheit, mit dem neuen Pfarrer ins Gespräch zu kommen und ihn auch abseits des Gottesdienstes persönlich kennenzulernen.
Begrüßungsgeschenke aus den fünf Pfarreien durften dabei natürlich nicht fehlen – von einem Päckchen Gummibärchen bis zu kulinarischen Spezialitäten aus der Region.
Erste Amtshandlung: eine Tiersegnung
Dass Pater Paul auch bei seinem Amtsantritt seinem persönlichen Stil treu bleibt, zeigte sich bereits am Tag zuvor.
Gemeinsam mit dem Tierschutzverein Landkreis Erding hatte er zur Tiersegnung am Kanalkreuz an der Brücke eingeladen. Für den neuen Pfarrer war es zugleich eine Premiere: sein erster Wortgottesdienst im neuen Pfarrverband – und gleich eine Tiersegnung.
Mit dabei war auch seine Labrador-Hündin Bella, die ihn seit neun Jahren begleitet.
Mit einem Augenzwinkern erklärte Pater Paul gleich zu Beginn die Gottesdienstordnung:
„Miauen ist ausdrücklich erlaubt, aber Beißen nicht.“
Tiere als Teil der Gemeinschaft
Doch hinter dem humorvollen Einstieg stand für Pater Paul eine ernsthafte Botschaft.
Tiere seien für viele Menschen treue Wegbegleiter. Sie könnten Einsamkeit lindern, Trost schenken und eine ganz besondere Nähe zu ihren Menschen entwickeln.
„Wir Menschen sind nicht Besitzer dieser Welt, nur ein Teil davon“, gab er den Teilnehmern mit auf den Weg.
Von Tieren könne der Mensch einiges lernen: im Augenblick zu leben, Vertrauen zu schenken und die Nähe zueinander zu suchen.
Bei der anschließenden Segnung nahm sich Pater Paul Zeit für die einzelnen Tiere. Wann immer es möglich war, begrüßte er sie auf Augenhöhe und sprach sie mit ihrem Namen an.
Sieben Pferde mit ihren Reitern waren gekommen, dazu zahlreiche Hunde und auch Kater Max. Für einen besonderen Moment sorgte ein kleines Igelbaby: Michaela Maier, Vorsitzende des Tierschutzvereins, hatte drei namenlose Igelbabys aus ihrer Igelstation mitgebracht. Eines davon erhielt spontan den Namen „Pauli“.
Selbst Kater Max bekam seinen Segen – obwohl Pater Paul, wie er selbst sagte, gegen Katzen allergisch ist.
Auch Abschied darf seinen Platz haben
Nicht für alle Besucher war die Tiersegnung nur ein fröhliches Ereignis. Einige Menschen konnten ihre Tiere nicht mehr mitbringen, weil sie sie bereits verloren hatten.
Für sie wurde der Segen zu einem stillen Moment des Erinnerns und Abschiednehmens. Stellvertretend für ihre verstorbenen Tiere empfingen sie den Segen.
Auch die Spenden der Besucher kamen einem guten Zweck zugute: Sie sollen dem Tierschutzverein beziehungsweise dem Tierheim helfen, einen Überspringschutz für die Hundezäune zu finanzieren.
Angekommen – und doch erst am Anfang
Mit seiner offiziellen Amtseinführung und der ersten Tiersegnung liegen für Pater Paul die ersten Tage im neuen Pfarrverband hinter ihm.
Vieles ist neu: die Menschen, die fünf Pfarreien, die Vereine und Gruppen, die Traditionen und natürlich auch die vielen Geschichten, die es hier zu entdecken gibt.
Doch eines hat Pater Paul bereits deutlich gemacht: Er möchte nicht einfach eine fertige Vorstellung von Pfarrgemeinde mitbringen. Er möchte zuhören, kennenlernen, diskutieren und gemeinsam mit den Menschen vor Ort Kirche gestalten.
Vielleicht passt deshalb kaum ein Satz besser zu diesem Beginn als jener, den Pater Paul schon bei seiner Verabschiedung in Taufkirchen gesagt hat:
„Der Weg ist das Ziel.“
Der neue Weg im Pfarrverband St. Anna im Moosrain hat begonnen.
Textquelle und Bilder: Gerda Gebel im Erdinger Anzeiger vom 8. September 2026