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St. Martin in Oberneuching

Geschichte der Pfarrkirche

Die Pfarrkirche St. Martin in Oberneuching gehört zu den historischen Kirchenbauten des Landkreises Erding. Ihr heutiges Erscheinungsbild ist das Ergebnis mehrerer Bauphasen: Der Kern des Langhauses stammt aus der spätromanischen Zeit, im Mittelalter kamen gotische Bauteile hinzu, im 18. Jahrhundert wurde die Kirche barockisiert und 1966/67 nach Süden erweitert.

Die folgenden Beiträge zeichnen die Geschichte der Kirche von ihren mittelalterlichen Anfängen bis in die Gegenwart nach.

Teil 1 – Die Anfänge

Die ältesten Bauteile

Eine Untersuchung der Pfarrkirche durch das Bayerische Landesdenkmalamt vom 17. März 1965 stellte einen romanischen Tuffquaderbau fest. Pfarrer Johannes Liehr ordnete diesen Baubestand in seinem 1975 veröffentlichten Bericht der ottonischen Zeit des 11. Jahrhunderts zu.

Die heutige denkmalpflegerische Einordnung ist vorsichtiger: Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege datiert das spätromanische Langhaus im Kern auf etwa 1200.

Damit ist zwischen einer möglichen älteren Vorgängerkirche und dem erhaltenen romanischen Baukern zu unterscheiden. Eine ältere Chronik der Pfarrei nennt für einen frühen Kirchenbau die Zeit um 1050. Diese Angabe lässt sich mit den heute vorliegenden baugeschichtlichen Untersuchungen jedoch nicht eindeutig bestätigen.

Mittelalterliche Erweiterungen

Im 13. Jahrhundert wurde die romanische Kirche erweitert. Nach den Untersuchungen von 1965 wurden an den älteren Tuffquaderbau Backsteinbauteile angefügt. Auch das Presbyterium und der Turm wurden verändert.

Im 14./15. Jahrhundert entstand die Annakapelle an der Nordseite der Kirche. Die heutige Denkmalliste datiert die Kapelle in diese Zeit.

Nach der Darstellung von Pfarrer Liehr wurde die Kapelle im Jahr 1343 vom Geschlecht der Neuchinger gestiftet und als Grabkapelle der Familie genutzt. Mit der Stiftung war ein Benefizium verbunden. Der Benefiziat hatte an drei Tagen in der Woche in der Kapelle die heilige Messe zu feiern.

Im 15. Jahrhundert erhielt die Kirche den gotischen Chor und Veränderungen am Turm. Auch das Treppentürmchen zur Orgelempore wurde damals angebaut.

Im 16. Jahrhundert kam an der Südseite die Sakristei hinzu. Ihre obere Etage ermöglichte den Blick in den Kirchenraum.

Damit waren bis zum Ende des Mittelalters wesentliche Teile des heutigen Kirchenbaus entstanden.

Teil 2 – Vom Mittelalter zum Barock

Die Martinsgruppe

Um 1630 entstand die wertvolle Martinsgruppe mit der Darstellung des heiligen Martin bei der Mantelteilung. Nach der Überlieferung wurde die Figurengruppe von einem lothringischen Schnitzer in Landshut geschaffen.

Sie stand ursprünglich am Hochaltar der Pfarrkirche. 1921 wurde sie dort entfernt und später in der Kriegergedächtniskapelle aufgestellt. 1967 kehrte sie nach einer Restaurierung in die Pfarrkirche zurück.

Die Rosenkranzbruderschaft

Die Rosenkranzbruderschaft in Neuching bestand bereits seit 1629; 1730 wurde sie kanonisch errichtet. Ihre Bedeutung zeigt sich in der späteren Ausstattung der Kirche. Im Langhaus entstand ein Zyklus mit den 15 Rosenkranzgeheimnissen.

Der Turm und der Brand von 1676

Im 17. Jahrhundert wurde der Kirchturm nochmals erhöht und erhielt eine dritte Glockenstube.

Für das Jahr 1676 überliefert die Pfarreichronik einen Brand. Auch Pfarrer Liehr berichtet von Spuren eines früheren Feuers, die bei den Untersuchungen im Zusammenhang mit der Renovierung festgestellt wurden.

Welche Teile der Kirche durch diesen Brand beschädigt wurden und welche späteren Veränderungen unmittelbar darauf zurückgehen, lässt sich anhand der heute zugänglichen Quellen nicht mehr eindeutig feststellen.

Die Barockisierung 1756–1766

Die entscheidende Veränderung erfolgte im 18. Jahrhundert. Die heutige Denkmalliste datiert die Barockisierung auf 1756/66.

Der Innenraum erhielt seine barocke Ausstattung. Die Deckenmalereien stammen aus 1765. Im Langhaus ist die Himmelfahrt Mariens dargestellt, im Chor Szenen aus dem Leben beziehungsweise der Verehrung des heiligen Martin.

Der Hochaltar entstand um 1765 und wird Matthias Fackler zugeschrieben.

Nach dem Bericht von Pfarrer Liehr wurde die gotische Bausubstanz bei der Barockisierung grundsätzlich beibehalten. Der Eingang wurde von der Nordseite auf die Westseite verlegt und ein Vorhaus angefügt.

Damit erhielt St. Martin die barocke Prägung, die den Innenraum bis heute wesentlich bestimmt.

Teil 3 – Vom 19. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts

Nach der Barockisierung blieb die bauliche Grundgestalt der Kirche zunächst weitgehend erhalten.

Die Kriegergedächtniskapelle

1928 wurde die Kriegergedächtniskapelle errichtet. Sie erinnert an die Gefallenen und Vermissten der Gemeinde.

Die historische Martinsgruppe erhielt dort zeitweise ihren Standort. Die um 1630 entstandene Figurengruppe war 1921 vom Hochaltar entfernt worden und blieb bis zu ihrer Rückkehr 1967 in der Kriegergedächtniskapelle.

Die Glocken im Zweiten Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg führte zu erheblichen Verlusten beim Geläut der Kirche. Mehrere Glocken mussten für Rüstungszwecke abgeliefert werden. Erhalten blieb eine Glocke aus dem Jahr 1738.

Nach dem Krieg wurden 1947 drei neue Glocken bei der Erdinger Glockengießerei Czudnochowsky gegossen. Am 3. Oktober 1948 wurden sie vor dem Kriegerdenkmal geweiht.

Die Pfarrer nach dem Zweiten Weltkrieg

1956 folgte Pfarrer Karl Krause auf Pfarrer Weiß, der zuvor 21 Jahre in Neuching tätig gewesen war. 1962 wurde Pfarrer Johannes Liehr als neuer Pfarrer eingeführt.

Unter seiner Leitung wurde wenige Jahre später die umfassende Erweiterung und Renovierung der Martinskirche durchgeführt.

St. Martin vor dem Umbau

Historische Aufnahmen aus der Zeit um 1960 zeigen den Kirchenraum noch mit der barocken Predigtkanzel und den beiden Seitenaltären. Diese Ausstattung wurde bei der späteren Renovierung entfernt.

1965 untersuchte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege die Kirche. Die Untersuchung dokumentierte die verschiedenen Bauphasen und bildete eine wichtige Grundlage für die geplanten Arbeiten.

Teil 4 – Die große Erweiterung 1966–1968

Die Jahre 1966 bis 1968 veränderten die Pfarrkirche St. Martin grundlegend. Die Kirche wurde erweitert und umfassend renoviert.

Das neue Seitenschiff

Auf der Südseite wurde ein Seitenschiff angebaut. Die aktuelle Denkmalliste datiert die Erweiterung auf 1966/67.

Da für den Anbau ein Teil des Friedhofs benötigt wurde, mussten Gräber umgebettet werden. Auch der Friedhof wurde im Osten und Süden neu gestaltet.

Die Annakapelle und die Sakristei

Die Annakapelle wurde durch Bögen zum Kirchenraum geöffnet und damit räumlich in die Kirche einbezogen. Die Gruft der Neuchinger wurde verschlossen.

Die alte Sakristei an der Südseite wurde abgebrochen und durch eine neue, unterkellerte Sakristei ersetzt.

Bei den Bauarbeiten wurden im Mauerwerk verkohlte Fenster entdeckt. Pfarrer Liehr brachte diese Spuren mit einem früheren Brand der Kirche in Verbindung.

Die Veränderungen der Ausstattung

Die Renovierung betraf auch den Innenraum.

Die beiden Seitenaltäre wurden entfernt, ebenso die historische Kanzel. Sechs Apostelmedaillons fanden im neu gestalteten Kirchenraum keinen Platz mehr.

An ihre Stelle trat ein neuer Volksaltar. Er wurde am 5. Mai 1968 von Erzbischof Julius Kardinal Döpfner konsekriert. In den Altar wurden Reliquien der heiligen Märtyrer Irenäus und Theophila eingesetzt.

Die Martinsgruppe kehrt zurück

1967 kehrte die historische Martinsgruppe nach einer Restaurierung aus der Kriegergedächtniskapelle wieder in die Pfarrkirche zurück.

Damit blieb wenigstens eines der bedeutenden historischen Ausstattungsstücke erhalten und wurde wieder in den Kirchenraum aufgenommen.

Die Renovierung von 1966/68 prägte die heutige Gestalt von St. Martin entscheidend.

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