St. Johannes der Täufer in Niederneuching
Geschichte der Kirche
Die Filialkirche St. Johannes der Täufer in Niederneuching gehört zu den historischen Kirchenbauten der Gemeinde Neuching. Ihr heutiges Erscheinungsbild wird vor allem durch den barocken Kirchenneubau von 1690 bis 1693 geprägt. Zugleich bewahrt das Gebäude Teile eines älteren, spätgotischen Vorgängerbaus.
Die Kirche wurde über Jahrhunderte verändert, ergänzt und renoviert. Ihre Geschichte lässt sich deshalb sowohl am Bauwerk als auch an der erhaltenen Ausstattung ablesen.
1. Die Vorgängerkirche
Über die Anfänge des kirchlichen Lebens in Niederneuching ist nur wenig bekannt. Bereits 1470 ist eine Stiftung für eine Wochenmesse in Niederneuching belegt. Diemutt Leblin stiftete dafür 15 Gulden. Die Stiftung gehört zu den frühen schriftlichen Zeugnissen für das kirchliche Leben am Ort.
Die heutige Kirche ist allerdings nicht der erste Kirchenbau an dieser Stelle. Vor dem barocken Neubau stand hier eine ältere, spätgotische Kirche.
Von diesem Vorgängerbau sind wesentliche Bauteile erhalten geblieben. Dazu gehören insbesondere die Sakristei und der Unterbau des Westturms. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bestätigt diese Einordnung und bezeichnet beide Bauteile ausdrücklich als spätgotisch.
Über das genaue Alter und die ursprüngliche Gestalt dieser Vorgängerkirche liegen dagegen nur begrenzte Quellen vor. Ältere Überlieferungen vermuten eine sehr frühe kirchliche Nutzung des Ortes. Diese Angaben lassen sich jedoch nicht in allen Einzelheiten durch die erhaltenen baugeschichtlichen Befunde bestätigen.
Fest steht, dass die ältere Kirche schließlich baufällig war und durch einen Neubau ersetzt wurde.
2. Der Neubau von 1690 bis 1693
Zwischen 1690 und 1693 entstand die heutige
Kirche St. Johannes der Täufer.
Der Neubau wird dem Erdinger Maurermeister Hans Kogler zugeschrieben. Auch die aktuelle Denkmalliste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege nennt Hans Kogler als Baumeister und datiert den Bau eindeutig auf 1690–1693.
Die Kirche ist ein barocker Saalbau mit eingezogenem Chor und Zwiebelturm. Teile der älteren Kirche wurden in den Neubau einbezogen. Der spätgotische Turmunterbau und die spätgotische Sakristei blieben erhalten.
Damit verbindet das heutige Gebäude zwei wesentliche Bauperioden: die spätgotische Vorgängerkirche und den barocken Neubau des späten 17. Jahrhunderts.
Der Innenraum erhielt eine für die Entstehungszeit charakteristische barocke Gestaltung. Das Langhaus wird von einem Kreuzgewölbe überspannt, der Chor von einem Tonnengewölbe.
3. Die Ausstattung des neuen Kirchenbaus
Die Ausstattung entstand teilweise unmittelbar im Zusammenhang mit dem Kirchenneubau und wurde im 18. Jahrhundert weiter ergänzt.
Ein besonderes Werk der frühen Ausstattung ist das 1693 entstandene Gemälde mit Szenen aus dem Leben des heiligen Johannes des Täufers. Es wird Peter Höller aus Grafing zugeschrieben.
Auch die Kanzel gehört zur frühen barocken Ausstattung und wird in die Zeit um 1695 datiert.
Der Kirchenraum erhielt damit bereits kurz nach seiner Errichtung eine Ausstattung, die auf das Patrozinium des heiligen Johannes des Täufers ausgerichtet war.
4. Der Hochaltar und die Seitenaltäre
Eine weitere wichtige Ausstattungsphase folgte im 18. Jahrhundert.
Der heutige Hochaltar entstand um 1765. Er wird dem Erdinger Bildhauer Christian Jorhan dem Älteren zugeschrieben.
Im Mittelpunkt steht der heilige Johannes der Täufer, der Patron der Kirche. Seitlich befinden sich Figuren der Heiligen Sebastian und Antonius von Padua.
Auch die beiden Seitenaltäre gehören zur prägenden barocken Ausstattung.
Der linke Seitenaltar zeigt Maria, begleitet von den Aposteln Petrus und Paulus.
Am rechten Seitenaltar ist Maria als Schmerzensmutter unter dem Kreuz dargestellt. Sie wird von den Heiligen Ulrich und Florian begleitet.
Zusammen mit der Kanzel, dem Stuck und den übrigen Ausstattungsstücken entstand so ein weitgehend geschlossenes barockes Erscheinungsbild.
5. Die Kirche im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Nach der Ausstattung im 17. und 18. Jahrhundert blieb die grundlegende Gestalt von St. Johannes über lange Zeit erhalten.
Aus dem 19. Jahrhundert sind in den bisher ausgewerteten Quellen keine größeren baulichen Veränderungen dokumentiert. Auch im 20. Jahrhundert wurde die historische Ausstattung nicht grundsätzlich entfernt.
Gerade darin unterscheidet sich die Entwicklung von St. Johannes deutlich von derjenigen der Pfarrkirche St. Martin in Oberneuching, die in den 1960er-Jahren durch eine große Erweiterung und Neugestaltung wesentlich verändert wurde.
Bei St. Johannes blieb der historische Kirchenraum dagegen in seinen wesentlichen Teilen erhalten.
Historische Fotografien sind deshalb für die Geschichte der Kirche besonders wertvoll. Sie zeigen, dass Hochaltar, Seitenaltäre und Kanzel auch im 20. Jahrhundert weiterhin den Kirchenraum bestimmten.
6. Die Renovierung von 1982 bis 1988
Eine wichtige Phase der jüngeren Baugeschichte war die umfassende Renovierung in den Jahren 1982 bis 1988.
Die Arbeiten dienten vor allem der Instandsetzung und Erhaltung des historischen Kirchengebäudes und seiner Ausstattung. Die barocken Altäre und die Kanzel blieben erhalten

Eine sichtbare Veränderung betraf den Kirchturm.
Auf historischen Aufnahmen, unter anderem einem Foto aus der Zeit um 1925, ist der Turm noch mit einer spitzen Haube zu sehen. Im Zuge der Renovierung wurde diese durch die heutige Zwiebelhaube ersetzt.
Damit erhielt der Turm seine heutige charakteristische Gestalt.
Die Renovierung von 1982 bis 1988 steht zugleich für den Umgang mit dem historischen Bestand von St. Johannes: Die Kirche wurde instand gesetzt und den Erfordernissen der Gegenwart angepasst, ohne den barocken Innenraum grundlegend umzugestalten.
7. Die Orgel von 1999
Eine wichtige Ergänzung der jüngeren Ausstattung erfolgte 1999.
In diesem Jahr erhielt St. Johannes eine neue Orgel, die von Maximilian Offner gebaut wurde.
Das Instrument ergänzt den historischen Kirchenraum um eine Ausstattung des späten 20. Jahrhunderts und dient der musikalischen Gestaltung der Gottesdienste.
Damit verbindet die Kirche heute historische Bauteile und Kunstwerke mit einem modernen Instrument.
8. St. Johannes im 21. Jahrhundert
Auch im 21. Jahrhundert blieb St. Johannes der Täufer ein genutzter Kirchenraum.
Die Kirche wird für Gottesdienste und kirchliche Feiern genutzt. Gleichzeitig wird der historische Bestand erhalten und gepflegt.
Eine wichtige Veränderung für das kirchliche Leben in Niederneuching war die Neuordnung der Pfarreien.
Seit 1. April 2018 gehört die Pfarrei Neuching zum Pfarrverband St. Anna Moosrain. Die organisatorische Zugehörigkeit zu diesem Pfarrverband änderte nichts an der Bedeutung von St. Johannes als Gottesdienstort in Niederneuching.
Die Kirche verbindet damit bis heute ihre historische Funktion mit dem aktuellen kirchlichen Leben.
St. Johannes heute
Wer St. Johannes der Täufer heute besucht, begegnet einem Kirchenraum, dessen Geschichte sich über mehrere Jahrhunderte erstreckt.
Die spätgotische Sakristei und der spätgotische Unterbau des Turmes erinnern an die Vorgängerkirche. Der eigentliche Kirchenbau entstand 1690 bis 1693 unter Hans Kogler und ist ein charakteristisches Beispiel eines barocken Saalbaus.
Die Ausstattung des 17. und 18. Jahrhunderts prägt den Innenraum bis heute. Besonders der Hochaltar mit dem heiligen Johannes dem Täufer, die beiden Seitenaltäre und die Kanzel bestimmen das Erscheinungsbild.
Die Renovierung von 1982 bis 1988 bewahrte diesen historischen Charakter. Die Veränderung der Turmhaube und die Orgel von 1999 sind sichtbare beziehungsweise hörbare Zeugnisse der jüngeren Entwicklung.
St. Johannes ist damit zugleich historisches Bauwerk, Kunstdenkmal und weiterhin genutzter Kirchenraum.
Die Geschichte der Kirche endet nicht mit dem barocken Neubau und auch nicht mit den Renovierungen des 20. Jahrhunderts. Solange hier Gottesdienste gefeiert und kirchliche Feste begangen werden, wird die Geschichte von St. Johannes weitergeschrieben.
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