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Große Trauer: Pfarrer Franz Gasteiger (83) erliegt seinen Verletzungen

Mit einem Festgottesdienst wurde Pfarrer Franz Gasteiger im September 2015 in der Oberneuchinger Pfarrkirche St. Martin von seinem Pfarrverband Neuching-Ottenhofen in den Ruhestand verabschiedet. „Ich sage bewusst Verabschiedungsgottesdienst und nicht Abschiedsgottesdienst“, betonte er damals.

„Man muss die Menschen mögen.“ Dieses Credo beherzigte der weltoffene und auch im Ruhestand engagierte Pfarrer Franz Gasteiger. Sein Leben endete nun auf tragische Weise: Nach einem Christbaumbrand verstarb der Seelsorger im Krankenhaus.

Schwaig – Eine blühende Blume in seinem verwilderten Garten, eine dampfende Tasse Tee oder Kaffee und ein gutes Buch: Es waren die kleinen Dinge, an denen sich Dr. Franz Gasteiger immer erfreuen konnte. „Den Doktor bitte weglassen“, würde er jetzt sagen. „Und übertreib’ auch nicht so. Ich bin ein ganz normaler Mensch“, würde er der Autorin mit einem schelmischen Lächeln mit auf den Weg geben.

 

Gasteigers eigener Lebensweg endete nun auf tragische Weise. In der Nacht zum Dienstag verstarb der Ruhestandspfarrer im Alter von 83 Jahren an seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus. Nach einem Christbaumbrand bei ihm daheim in Schwaig waren er und seine Wegbegleiterin mit schwersten Verletzungen in die Klinik eingeliefert und behandelt worden (wir berichteten). Sie liegt weiter im Koma.

In seinem wohligen Zuhause, das er sich mit seiner Wegbegleiterin teilte, hat er viele schöne Jahre verbracht. In seinem Garten hat er immer wieder Kraft getankt – das war für den Australien-Fan eine Erholungsoase, denn Gasteiger hatte immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

 
 

Aufgeben kam für den gebürtigen Schönauer (Kreis Rottal-Inn) aber nicht in Frage. „Ich bin ein sehr optimistischer Mensch“, sagte er über sich. Eine positive Grundstimmung sei für die Seelsorge unabdingbar, davon war Gasteiger überzeugt.

Sein Lebensweg schien schon früh vorgezeichnet: Der kleine Franz, Sohn von Franziska und Franz Gasteiger, war von der katholischen Kirche von Kindesbeinen an beeindruckt. „Es war früher für mich die einzige Welt außerhalb der Familie“, erinnerte er sich einst. Nach der Volksschule und dem humanistischen Gymnasium, heute Leopoldinum, in Passau machte er 1960 Abitur und studierte anschließend Philosophie, Pädagogik und Theologie an der philosophischen-theologischen Hochschule in Passau.

Im idyllischen Garten in Schwaig entspannte sich der Flughafenseelsorger Franz Gasteiger gern. © Oldach

Am 29. Juni 1966 wurde Gasteiger im Stephansdom in Passau zum Priester geweiht. Seine Primiz war am 3. Juli 1966 in Burghausen. Danach war er zwei Jahre Kaplan in Fürstenstein bei Passau – eine prägende Zeit. „Hier habe ich gelernt, dass es auf die Menschen ankommt“, sagte er zu Lebzeiten. „Ich kann nicht an den Menschen und am Leben vorbei Seelsorge machen.“ Sein Credo: „Man muss die Menschen mögen.“

Diese fünf Worte beherzigte Gasteiger sein ganzes Leben. Er stellte sie immer über ein verkrustetes Priesterbild. 1991 promovierte er zum Doktor der Theologie an der Uni Regensburg. Am 1. April 1991 kam er in den Landkreis Erding, denn er trat seine Stelle als Seelsorger am Flughafen München an, die er bis 31. Oktober 2003 innehatte. Zudem war Gasteiger bis 31. August 2008 Seelsorger in den Erdinger Altenheimen.

Zum 1. September 2008 ging er in den Ruhestand – doch dieser währte nur drei Jahre. Nachdem er von September 2011 bis 2013 priesterlicher Leiter der Pfarrei Eitting gewesen war, kam Gasteiger zum 1. Juni 2013 in die Pfarrei Neuching und baute den damaligen Pfarrverband Neuching-Ottenhofen auf. Zum 1. Oktober 2015 ging er in den (Un-)Ruhestand, denn der Geistliche war mit Herz und Seele Pfarrer und übernahm gerne Vertretungen.

Auch bei Hochzeitspaaren war Gasteiger sehr gefragt – vor allem bei solchen, die nach den christlichen Vorgaben nicht heiraten, wohl aber eine Segensfeier feiern dürfen. Gerne hat er von einer Feier für ein lesbisches Brautpaar erzählt, das sich auf einer Alm bei Garmisch die ewige Liebe schwor. Auch den Bund von schwulen Paaren hat er gesegnet.

Ebenso offen stand er einer Segnung des Lebensbundes gegenüber, auch wenn einer oder beide Partner geschieden waren. „Basis dafür muss die Liebe sein“, war er überzeugt. Der Segen war für ihn besonders, wichtiger als eine kirchliche Vorschrift. Mit dieser weltoffenen Anschauung eckte er auch mal an, doch das nahm er gerne in Kauf.

 

Auch Beerdigungen waren dem Pfarrer wichtig. „Ich möchte mich mit dem Menschen vertraut machen, der verstorben ist“, hat er stets betont. Zahlreiche Freunde und Weggefährten werden ihn nun auch auf seiner letzten Reise begleiten. Die Trauer um ihn ist groß.

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